
08.01.2026 ● WORK4KIDS
Jahresauftakt in der Kita: Mit Zuversicht durch ein weiteres Ausnahmejahr
Der Januar in Kitas fühlt sich oft an wie ein doppelter Neustart. Nach Feiertagen, Winterpausen und Dienstplänen „zwischen den Jahren“ beginnt nicht nur ein neues Jahr, sondern auch eine neue Runde im ohnehin angespannten System: Fachkräftemangel, steigende Erwartungen, politische Reformen, neue Kinder, neue Eltern – und ein Team, das dazwischen versucht, stabil zu bleiben.
Gerade deshalb lohnt sich ein bewusster Blick darauf, wie der Jahresauftakt genutzt werden kann, um Kraft zu sammeln, Prioritäten zu klären und den eigenen Kita-Alltag aktiv zu gestalten.
Ein System unter Hochspannung – und mitten im Wandel
Die politische Debatte rund um die frühkindliche Bildung bleibt auch 2026 dynamisch. Mit den Bund-Länder-Verträgen zum KiTa-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz und den geplanten bundesweiten Qualitätsstandards steht fest: Frühkindliche Bildung soll gestärkt und vergleichbarer werden. Große Schlagworte wie Fachkräftegewinnung, sprachliche Bildung und bessere Personalschlüssel bestimmen die Agenda – zusätzlich zu lokalen Baustellen bei Räumen, Finanzierung oder Sanierung.
Für Kitas und Träger ist der Jahresbeginn daher mehr als eine organisatorische Pflichtübung. Er ist ein Moment, um im Team ehrlich zu schauen:
- Was war im vergangenen Jahr besonders belastend?
- Wo haben Kinder und Fachkräfte trotzdem aufgelebt und profitiert?
- Welche Stellschrauben lassen sich tatsächlich beeinflussen – trotz aller Rahmenbedingungen?
Januar als „Klärungsmonat“: Prioritäten setzen, statt alles gleichzeitig
Im Alltag entsteht schnell der Eindruck, alles sei gleich wichtig: neue Konzepte, zusätzliche Dokumentation, Elternkommunikation, Übergänge, Inklusion, Sprachbildung, Gesundheitsschutz. Der Januar bietet die Chance, bewusst Schwerpunkte zu setzen – im Kleinen wie im Großen.
Sinnvoll ist ein Jahresstart mit drei klaren Fragen:
1. Was wird in diesem Jahr bewusst weggelassen oder vereinfacht?
Manchmal entstehen Freiräume weniger durch neue Projekte als durch das mutige Streichen von Routinen, die niemandem mehr wirklich dienen.
2. Welche ein bis zwei Qualitätsbereiche haben Vorrang?
Etwa Teamgesundheit, Eingewöhnung, alltagsintegrierte Sprachbildung oder Partizipation der Kinder. Lieber wenige Themen gründlich als viele oberflächlich bearbeiten.
3. Wie sieht ein realistischer Fahrplan aus?
Konkrete, erreichbare Schritte – etwa eine Fortbildung im Frühjahr, eine interne Klausur im Sommer und eine Auswertung im Herbst – helfen, Qualität im Alltag zu verankern.
Teamgesundheit als Basis – nicht als „Nice-to-have“
Nach Jahren hoher Belastung ist der Januar oft von Müdigkeit und Nachwirkungen des Vorjahres geprägt. Krankheitswellen, Vertretungsdienste, improvisierte Betreuungslösungen – all das zehrt an Kräften. Gleichzeitig wird von Kitas erwartet, Bildungs- und Schutzaufträge in hoher Qualität zu erfüllen.
Gerade zum Jahresauftakt kann ein bewusstes Signal an das Team viel bewirken:
- Raum für ehrlichen Rückblick schaffen – ohne Schuldzuweisungen.
- Belastungsmuster sichtbar machen: Wo häufen sich Überstunden, Unterbesetzungen, emotionale Spitzen?
- Kleine, konkrete Schutzfaktoren etablieren: feste Pausenzeiten, klar benannte Entlastungsphasen, Supervision oder kollegiale Beratung.
Gesunde Fachkräfte sind keine „Ressource“, die beliebig nachgefüllt werden kann. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Kinder sich sicher fühlen, Beziehungen gelingen und Bildungsprozesse überhaupt entstehen.
Kinder im Fokus – trotz voller Listen und knapper Zeit
Während Politik Daten auswertet und Zielvereinbarungen formuliert, findet frühkindliche Bildung weiterhin dort statt, wo Kinder tagtäglich ankommen: an der Garderobe, im Morgenkreis, beim gemeinsamen Essen, im Freispiel.
Ein Jahresbeginn in der Kita ist für viele Kinder eine sensible Phase:
- Manche kehren nach längerer Pause zurück und müssen sich neu orientieren.
- Andere erleben familiäre Veränderungen, über die kaum gesprochen wird, die aber im Verhalten spürbar sind.
- Neue Kinder kommen hinzu und suchen ihren Platz in Gruppen, die schon „ihre eigene Geschichte“ haben.
Ein bewusster Blick darauf, wie Kinder im Januar ankommen, kann helfen, feinere Signale wahrzunehmen: Wer wirkt ruhiger als sonst, wer angespannter, wer sucht mehr Nähe oder zieht sich zurück? Gerade in dieser Übergangszeit können kleine Gesten – ein zugewandter Blick, ein gemeinsamer Start-Ritus, eine kurze Extrarunde Vorlesen – viel Sicherheit geben.
Fachkräftegewinnung: Jahresanfang als Startsignal für Veränderung
Der Januar ist auch ein Moment, an dem viele Menschen berufliche Weichen neu stellen – sei es nach einer Ausbildung, einem Studium oder aus der Unzufriedenheit in anderen Branchen heraus.
Für Träger und Einrichtungen eröffnet das Chancen:
- Stellenprofile überprüfen: Sind Aufgaben, Arbeitszeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und Haltung klar erkennbar?
- Digitale Kanäle gezielt nutzen: Pädagogische Fachkräfte suchen immer häufiger auf spezialisierten Plattformen nach Stellen, in denen ihr Beruf ernst genommen wird und Rahmenbedingungen transparent kommuniziert werden.
- Praktika, Anerkennungsjahre und berufsbegleitende Ausbildungen aktiv anbieten und sichtbar machen.
Wer im Januar seine Außenwirkung schärft – mit klaren Profilen, ehrlicher Kommunikation und einem professionellen Auftritt auf Plattformen wie WORK4KIDS – legt den Grundstein dafür, dass sich passende Menschen bewerben und langfristig bleiben möchten.
Ausblick: Ein herausforderndes Jahr – und die Chance, Schwerpunkte zu setzen
Der Januar 2026 steht im Spannungsfeld zwischen politischen Weichenstellungen, strukturellem Fachkräftemangel und den realen Bedürfnissen von Kindern und Teams. Die Herausforderungen bleiben groß. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass frühkindliche Bildung kein „Randthema“ ist, sondern Fundament für Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Kitas und Träger, die den Jahresauftakt nutzen, um bewusst innezuhalten, Prioritäten zu klären und sowohl Kinder als auch Fachkräfte in den Mittelpunkt zu stellen, schaffen sich eine wichtige Grundlage: nicht für ein perfektes Jahr, sondern für eines, in dem Entscheidungen bewusster getroffen werden.
Zwischen Kalenderblättern, Entwicklungsdokumentationen und Dienstplänen bleibt so ein Gedanke spürbar: Jede Investition in Präsenz, Beziehung und gute Rahmenbedingungen im Januar trägt ein Stück dazu bei, dass Kinder auch in einem weiteren Ausnahmejahr Orte finden, an denen sie wachsen, sich sicher fühlen und die Welt Schritt für Schritt entdecken können.


