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Lernen

21.01.2026 WORK4KIDS

Lernen, das in den Alltag passt: Niedrigschwellige Weiterbildungsmaßnahmen in der Pädagogik

Hohe Taktung, Fachkräftemangel und komplexere Anforderungen erhöhen den Druck auf Fort- und Weiterbildung in Kitas und Ganztag. Gefragt sind Formate, die ohne großen Aufwand in den laufenden Betrieb integriert werden können – praxisnah, kurz, wirksam. Aktuelle Studien und Programme liefern Signale, wie solche „niedrigschwelligen“ Maßnahmen aussehen sollten und wo Stellschrauben liegen.

Was die aktuelle Forschung nahelegt

Der WiFF-Datenbericht Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2025 zeigt ein Spannungsfeld: stark gewachsene Systemanforderungen und zugleich deutliche Engpässe bei Personal- und Qualifizierungsressourcen. Weiterbildung bleibt zentral, muss aber alltagskompatibel funktionieren, damit sie überhaupt genutzt wird.

Für die Ausgestaltung helfen zwei neue WiFF-Analysen: Eine Interviewstudie zu digitaler Bildung in der Weiterbildung beschreibt, wie Anbieter hybride und kurze Lerneinheiten planen – inklusive Hürden wie Zeitknappheit und heterogene Vorkenntnisse der Teilnehmenden. Ein Schwerpunkt liegt auf modularen, kleinteiligen Angeboten, die sich an Praxisproblemen orientieren.

Ergänzend betrachtet eine zweite WiFF-Studie (2025) das didaktisch-methodische Handeln in Fortbildungen: Wirksam sind demnach Sequenzen mit hohem Praxisbezug, aktiver Erarbeitung, Transferaufgaben in den Einrichtungen und zeitnaher Reflexion – statt langer Frontalblöcke ohne Rückbindung.

International unterstreicht OECD TALIS Starting Strong 2024 die Bedeutung niederschwelliger, zugänglicher Professionalisierung: Personal berichtet in vielen Ländern über begrenzte Zeitfenster und hohe unmittelbare Kinderkontaktzeiten – ein Befund, der flexible, kurze und arbeitsplatznahe Formate begünstigt. Die Deutschland-Notiz macht sichtbar, wie stark Tätigkeiten am Kind die verfügbare Weiterbildungszeit strukturieren.

Politisch rahmt die Gesamtstrategie „Fachkräfte in Kitas und Ganztag“ (BMFSFJ) die Professionalisierung als Kernaufgabe – von Praxisanleitung bis Qualifizierung, auch mit Blick auf berufsbegleitende und digitale Wege. Niedrigschwellige Formate passen damit ausdrücklich in die aktuelle Steuerungslogik.

Was „niedrigschwellig“ in der Praxis bedeutet

Niedrigschwellige Weiterbildung verzichtet auf große Abwesenheitszeiten und setzt auf kurze, eng angebundene Lernschritte mit klarer Transferaufgabe. Drei Prinzipien tauchen in den Studien immer wieder auf:

  1. Kurz & modular: Einheiten von 10–30 Minuten (Mikro-Inputs, Lernhäppchen), gebündelt zu Sprints über zwei bis drei Wochen.
  2. Praxisnah & transferorientiert: Start beim realen Problem (z. B. „Übergänge entzerren“), Erprobung im Alltag, Mini-Reflexion mit Teamfeedback.
  3. Hybrid & zugänglich: Kombination aus Vor-/Nachbereitung per Kurzvideo, Handout oder App und sehr knappen Präsenzfenstern im Team.

Beispiel: Ein Micro-Learning-Sprint

Ausgangspunkt: Lärm und Hektik in Übergängen

Zielindikator: „Zeit bis Gruppenruhe“ nach dem Aufräumsignal

Dauer: 2 Wochen

Tag 1: 12-min-Input zu Signalwörtern und visuellen Ablaufkarten; Festlegung einer gemeinsamen Formulierung.

Tage 2–10: Erprobung im Alltag; je 5 Minuten Kollegial-Debrief pro Gruppe.

Tag 11: Kurzreflexion mit Mini-Daten (Schätzung/Strichliste), eine Anpassung festlegen.

Tag 14: Abschlussnotiz (1 Seite) mit Beispielsatz, Foto der Karten und nächster Transferaufgabe.

So entsteht gelebtes Lernen, ohne den Dienstplan aufzubrechen – genau die Art von Format, die WiFF und OECD begünstigt sehen.

Themen, die sich besonders eignen

  • Co-Regulation & Rituale: gemeinsame Satzbausteine, Ruheanker, Reizreduktion.
  • Sprachbildung im Alltag: Parallel-Talk, Wortschatzspiegeln, Wartezeichen.
  • Inklusive Didaktik: mehrere Zugänge (sehen/hören/handeln), Material-Adjustments.
  • Dokumentation leicht: 2-Minuten-Notizen, Wochenblick mit drei Fragen.
  • Kinderschutz-Basics: Beobachten ohne Wertung, klarer Meldeweg, Rollenklärung.

Diese Felder tauchen als Qualifizierungsbedarfe in aktuellen Kongress- und Praxisimpulsen wiederholt auf.

Stolpersteine – und wie sie vermieden werden

Häufig scheitern gute Ideen an fehlenden Zeitfenstern, unklaren Rollen oder fehlender Rückkopplung. Studien empfehlen deshalb: feste, sehr kurze Slots im Dienst (z. B. 08:10–08:25), benannte Praxisanleitung/Mentoring, verbindliche Transferaufgabe und ein Folgetermin zur Justierung – statt „Einmal-Input ohne Nachgang“.

Einordnung in die Förder- und Steuerungslandschaft

Niedrigschwellige Formate sind kein „Add-on“, sondern Baustein der Professionalisierungsstrategie: Sie stützen Praxisanleitung, verkürzen Ramp-up-Zeiten bei Neuen und stabilisieren Qualität, gerade bei dünner Personaldecke. Das passt zur aktuellen Bundes- und Länderlinie (Qualitätsentwicklung, Fachkräftebindung) und zu internationalen Empfehlungen, Weiterbildung arbeitsplatznah zu denken.

30-Tage-Fachplan (kompakt)

Woche 1: Thema + Indikator festlegen; 15-min-Kickoff (Problem, Ziel, zwei Tools).

Woche 2: Erprobung im Alltag; Tandem-Hospitation je 10 Minuten; 5-min-Debriefs.

Woche 3: Mini-Anpassung beschließen; Kurzmaterial (A6-Karte/1-Pager) erstellen.

Woche 4: Wirkung spiegeln (3 Kennzeichen), Standard übernehmen; nächstes Thema wählen.

Quellen:

- WiFF: Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2025 – aktuelle Daten zu Personal, Qualifizierung, Arbeitsmarkt.

- WiFF Studie kompakt „Digitale Bildung in der Weiterbildung“ (01/2025) – Planung kurzer, hybrider Lerneinheiten; Herausforderungen.

- WiFF Studie kompakt „Didaktisch-methodisches Handeln in Fortbildungen“ (2025) – Wirksame Formate: Praxisbezug, Transfer, Reflexion.

- OECD TALIS Starting Strong 2024 – Ergebnisse/Deutschland-Notiz: Arbeitsrealität, PD-Muster, Barrieren; Veröffentlichung 12/2025.

- BMFSFJ Gesamtstrategie „Fachkräfte in Kitas und Ganztag“ – Professionalisierung als Kernaufgabe (Stand 05/2024).

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